Lage und Geschichte
 
     
 
Die Pfarrkirche heute
Die Stadt Haltern bildet mit ihren Ortsteilen die nördlichste Region des Landkreises Recklinghausen. Sie liegt im Mündungsdreieck der Stever in die Lippe. Aufgrund der strategisch günstigen Lage und der topographisch ideal ausgebildeten Umgebung legten die Römer bei ihren Vorstößen nach Germanien westlich der heutigen Stadt auf dem Annaberg und dem Silverberg um die Zeitenwende (von 11 v. Chr. bis 16 n. Chr.) Kastelle an, die in ihrer Art zu den am besten erforschten römischen Militäranlagen gehören. Die in Haltern gemachten Funde lassen sich zeitlich genau einordnen und erlauben somit Datierungen auch anderer römischer Funde dieser Zeitepoche.
Die Gründung der Halterner Kirche geht auf den hl. Liudger, den ersten Bischof von Münster und Gründer des Klosters Werden a.d. Ruhr, zurück. Dieses bestätigt u.a. die um 1140 von einem Werdener Mönch geschriebene "vita rhythmica 5. Ludgeri", in der berichtet wird, dass der hl. Liudger bei Haltern die Lippe überquerte. Um diese Zeit bildete sich am Schnittpunkt zweier Fernstraßen und wichtigen Übergang über die Lippe der bischöfliche Amtshof Haltern. 1017 schenkte Kaiser Heinrich II. der Kirche zu Paderborn u. a. eine "manse" in Haltern, Berghaltern und Sythen.
Ihre erste Erwähnung als Pfarre erfährt die Halterner Kirche 1226 im Zusammenhang mit dem Kloster Flaesheim. Hier wird in einer Urkunde erstmals ein Pfarrer mit Namen "Thomas sacerdos de Haltere" an der Halterner Kirche bezeugt. Als das Bistum Münster im Jahre 804 gegr
ündet wurde, gehörte Haltern zu dessen Urpfarren. Bis zur Umschreibung der Bistumsgrenzen durch Papst Pius VII. im Jahre 1823 bildete die Lippe die südliche Grenze des Bistums Münster. Diese Grenzlage war seit dem frühen Mittelalter mit ein Grund dafür, dass anrückende Feinde von Süden her den Ort Haltern immer wieder überfielen, plünderten und zerstörten. Aus diesem Grunde verlieh der münsterische Bischof Everhard v. Diest (1275 -1301) am 3. Februar 1289 Haltern die Stadtrechte. Hiermit war auch das Recht der Stadtbefestigung verbunden. Die späteren, während des Mittelalters erbauten Befestigungswerke haben bis ins 18. Jh. das mittelalterliche Stadtbild Halterns geprägt.
Wie viele andere Städte des
Münsterlandes gehörte auch Haltern während des Mittelalters bis zum Anfang
Haltern und die alte Pfarrkirche um das Jahr 1860
des 17. Jh. dem Bund der Hanse an. 1354 bewilligte der münsterische Bischof Ludwig II., Landgraf von Hessen (1310 -1357), der Stadt einen Jahrmarkt. Während der münsterischen Stiftsfehde (1450 -1457) nutzte Bischof Walram v. Münster (1450 -1456) die Stadt als wichtigen Stützpunkt, dessen Besitz die Aufrechterhaltung der Verbindung zu seinem Bruder, dem Erzbischof Dietrich v. Köln, bedeutete. Nach dem Tode Walrams proklamierte sich 1457 Herzog Johann v. Bayern von Haltern aus zum neuen Herrn und Bischof des Fürstbistums Münster. Da sich die Bischofsstadt Münster noch in den Händen seiner Gegner befand, nahm er hier seinen Wohnsitz und leitete für eine kurze Zeit von Haltern aus das Bistum.
 
     
 
 
Das Patrozinlum des hI. Papstes Sixtus II.
 
     
  Als einzige Kirche im Bistum Münster hat die Pfarrkirche zu Haltern das Patrozinium des hl. Papstes Sixtus II. (257-258) bewahrt. Dieses sehr alte und heute seltene Patrozinium darf wohl in einem Zusammenhang mit der frühen Gründung der Pfarre durch den hl. Liudger und dem von ihm verehrten Benediktinerorden gesehen werden. Die Verehrung des hl. Sixtus, von Geburt Grieche, war in der frühen Kirche so groß, dass u. a. sein Name mit in den Kanon der hI. Messe aufgenommen wurde und bis heute dessen Bestandteil ist.
Der hl. Sixtus erlitt während der Valerianischen Christenverfolgung am 6. August 258 in der Callixtus-Katakombe in Rom den Märtyrertod durch Enthauptung. Seine Gebeine wurden dort in der Papstgruft beigesetzt und später in die Kirche San Sisto vecchio innerhalb der Stadtmauern Roms überführt, wo sie noch heute ruhen. Eine erneute große Sixtusverehrung kam während des 15. und 16. Jh. auf, als 2 Päpste, Sixtus IV. (1471-1484) und Sixtus V. (1585-1590), durch ihre Namenswahl an diesen großen heiligen Papst erinnerten. Im August 1984 gelangte die Pfarrgemeinde nach einer Pfarrwallfahrt "auf den Spuren des hl. Sixtus" in den Besitz einer Reliquie ihres Pfarrpatrones aus Rom.
 
     
 
 
Zur Baugeschichte der Pfarrkirche St. Sixtus
 
     
  Der Standort der Kirche ist über die Jahrhunderte hinweg immer der gleiche gewesen. Wie die im Sommer 1985 durchgeführten Grabungen, bedingt durch den Anbau einer neuen Sakristei, gezeigt haben, reichen die Funde (Fundamente, Keramiken und Brandspuren) bis um die Jahrtausendwende zurück. Weitere Spuren einer noch früheren Kirche befinden sich vermutlich unter dem Chor der heutigen Pfarrkirche. Bei den Grabungen kam auch eine Reihe mittelalterlicher und barocker Priestergräber zutage, die im Chor der ehemaligen, 1875 abgebrochenen Pfarrkirche lagen. Aufgrund der bisherigen Erkenntnisse darf man annehmen, dass in Haltern immer eine Kirche aus Stein gestanden hat: Das Haus Gottes hob sich durch seine dauerhaftere Bausubstanz von den normalen Häusern der Bürger, die aus Holz und Fachwerk bestanden, ab. Die erste nachgewiesene Kirche war ein romanischer Bau, dessen Turm mit einem schlanken, achteckigen Helm bis zum Abbruch 1874/75 die Stadt überragte. In der 2. Hälfte des 14. Jh. wurde das romanische Kirchenschiff abgebrochen und dem damaligen Zeitgeist entsprechend, durch ein gotisches ersetzt. Den romanischen Turm ließ man stehen. Diese spätgotische Hallenkirche war dreischiffig und geostet. Das Mittelschiff hatte zwei Quadratgewölbe, die auf Rundpfeilern ruhten. Hieran schloss sich nach Osten ein rechteckiges Chorjoch mit 5/8-Schluss an. Die Seitenschiffe waren außen mit Giebeln besetzt, die jeweils seitlich des Turmes ihren Ausgang nahmen.
Grundriss der Pfarrkirche
Am Äußeren der Kirche waren die rohen Bruchsteine sichtbar, die aus den Steinbrüchen der näheren Umgebung, der Hohen Mark und den Borkenbergen, stammten. Erste Überlegungen zur Erweiterung der Kirche, die durch die vielen Wallfahrten zum hl. Kreuz ausgelöst wurden, waren bereits 1831 angestellt worden. Unter Pfarrer Wilhelm Wenker (1845 -1888) rang man sich schließlich zum Abbruch der alten und zum Neubau der jetzigen Kirche durch. An baulicher Substanz ist ein Schlußstein mit der Darstellung des hl. Sixtus erhalten geblieben, der heute vor der Nordwand des südlichen Seitenschiffes liegt.
Mit den Planungsarbeiten für die neue Kirche wurde der Architekt A. Hanemann aus Münster betraut. Da anfängliche Bestrebungen, die neue Kirche wieder in Ost-West-Richtung zu bauen, wegen zu hoher finanzieller Forderungen der Raesfeldschen Familie für ihr abzubrechendes Haus gescheitert waren, errichtete man die Kirche in Nord-Süd-Richtung. Dabei fiel ein großer Teil des alten Friedhofes dem Neubau zum Opfer. Zuerst wurde der Turm gebaut, der zunächst als Notkirche diente. 1872 war der erste Bauabschnitt beendet. Konsekriert wurde das neue Gotteshaus am 16. September 1885, am Montag nach dem Fest Kreuzerhöhung. Die Kirche gehört so, wie sie sich uns heute mit ihrer nordischen Backsteinarchitektur darstellt, zu den schönsten neugotischen Kirchen Westfalens. Die hochaufragenden Pfeiler und die Weite des Hallenraumes mit den beiden Seitenschiffen und den Querarmen verleihen der Kirche einen monumentalen Charakter. An dem, dem Kirchenschiff vorgesetzten, quadratischen Turm schließen sich 4 rechteckige Mittelschiffjoche an. Die Vierung bildet ein quadratisches Joch mit nach Osten und Westen angrenzenden Querarmen. Der Chor besteht aus zwei schmalen, rechteckigen Jochen mit 5/8-Schluß. An der Stirnwand des linken Seitenschiffes befindet sich ein neugotischer Nebenaltar, der mit der Hauptfigur, einer Pietà, in den Hohlkehlen die sieben Schmerzen Mariens darstellt. Der früher an der rechten Stirnwand vorhandene Kreuzaltar, in dem das wundertätige Kreuz ausgestellt war, wurde im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt und nach dem Krieg ganz abgebrochen.