Wallfahrtskirche Annaberg
 
     
 

Die alte Kapelle besteht aus zwei Teilen, die unterschiedlichen Alters sind. Der Chor ist einschiffig, zweijochig und hat einen 3/8-Schluß. Sein Kreuzgratgewölbe mit Schlusssteinen wird durch Gurtbögen unterteilt, die auf Wandpfeilem bzw. Konsolen aufruhen. Das Kirchenschiff ist ebenfalls einschiffig, trägt aber eine Stichkappentonne. An der Ostseite leitet es in Schrägen zur Chorkapelle über. Während die Fenster des Schiffes rundbogig sind, hat der Chor zusätzlich noch ovale Fenster im Chorschluss. Welcher Teil der Kapelle nun zuerst gebaut worden ist, darüber gehen die Meinungen auseinander. Vermutlich ist das Kirchenschitt die zuerst gebaute Kapelle. Ausschlaggebend hierfür ist die Jahreszahl 1674
Die Annaberg Kirche heute
über der Tür an der Nordseite und unter der Inschrift des Wappens über dem Haupteingang. Der Chor dürfte dann im Jahre 1691 angebaut worden sein, wofür die Jahreszahl unter dem kleinen ovalen Fenster im Chorschluß spricht. Unter den Rechnungen des Annaberges findet sich unter den Einnahmen des Jahres 1691 die Eintragung: "für den Bau des Chores 110 Reichstaler gestiftet von Rdmi. D. Honigh." Der Altar ist barock und scheint aus der Jesuitenzeit zu stammen. Dies wird auch durch den Altartisch bezeugt, der einem Sarkophag gleicht, wie der zu gleicher Zeit entstandene Altartisch in der Katharinen-Kapelle zu Hamm-Bossendorf. Auf der rechten Seite des Kirchenschiffes steht in einer Nische das Gnadenbild der hl. Mutter Anna. Die Figur ist aus Holz und stammt von einem niederrheinischen Künstler aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Auf der linken Seite in der Nische steht eine Pietä (Vesperbild) aus Holz, die sich früher in der Pfarrkirche befand. Während des Baues der neuen St. Sixtus-Kirche zwischen 1870 und 1875 kam die Figur in private Hände. Sie ist durch eine Schenkung 1981 wieder in den Besitz der Pfarrgemeinde St. Sixtus zurückgelangt, mit der Auflage, sie für die Verehrung freizugeben. An der rechten Seitenwand hängen drei Reliefs (gotisch), die wohl von einem alten Altar stammen. Es waren ehemals vier Reliefs. Nach dem Abbruch der alten Sixtuskirche kamen sie von dort in die Annabergkapelle. Ein Relief wurde jedoch später gestohlen und ist seitdem verschollen. Die drei verbliebenen Abbildungen stellen die Heimsuchung Manens, die Verkündigung und die Geburt Jesu dar. Oberhalb des Chorbogens befindet sich seit der Renovation im Jahre 1982, die während der Amtszeit des Haltener Pfarrers Bernhard Holländer durchgeführt worden ist, ein Gemälde von einem unbekannten deutschen Maler, um 1750, mit dem Titel "Golgotha - Christus am Kreuze - nächtlich verfinsterter Himmel - Sonnenuntergang - Durchblick auf Jerusalem." Die über dem Eingang auf einer Bühne aufgestellte Orgel stammt von der Firma Franz Breil, Dorsten, hat 15 Register, 2 Manuale und wurde im Mai 1929 hier aufgestellt.

 
     
 
 
Die Ausstattung
 
     
 
Das Gnadenbild "Anna Selbdritt"
Nach der Gründung eines Altenheimes auf dem Annaberg im Jahre 1945, direkt nach Kriegsende, durch die "Schwestern von der Göttlichen Vorsehung" wurde in einem ersten Erweiterungsbau in den Jahren 1946 - 1947 auch die hauseigene Kapelle des Annaheimes errichtet. Sie befindet sich in der oberen Etage über dem großen Saal am Ende eines langen Ganges, der heute von Mitarbeitern und Bewohnern ,,Annaflur" genannt wird, nicht zuletzt deshalb, weil vor Kopf, gleich neben dem Eingang zur Kapelle ein Gnadenbild "Anna Selbdritt" aufgestellt ist.
Betritt man die Kapelle, fällt der Blick direkt auf den gegenüberliegenden Altarraum. Dieser ist, der Struktur des Gebäudeteiles angepaßt, halbrund angeordnet. Im Chor hängt mittig ein etwa 1,5 m großes Kreuz. Über dem Kreuz befindet sich ein buntes Fenster von fast einem Meter Durchmesser. Drei Streben durchkreuzen die bunten Gläser und bilden ein Dreieck, welches die "Dreifaltigkeit" symbolisiert.
Schräg unter dem Kreuz steht der Tabernakel, einschließlich einem kleineren Aufsatz, der für das "Ewige Licht" bestimmt ist. Vor dem Altar, auf gleicher Höhe mit dem Ambo auf der rechten Seite,
"Der brennende Dornen-busch"
bietet der Altarraum noch etwas Platz für eine besondere Gestaltung der Kapelle entlang des Kirchenjahres. Hier wird im Advent die Krippe aufgebaut, im Monat Mai die "Muttergottes" aufgestellt oder zum Erntedankfest ein Tisch mit Früchten und Brotkörben dekoriert. Kreuz, Tabernakel, Ambo und auch ein Kreuzweg, der auf der Rückwand der Kapelle neben der Sakristei hängt, stammen vom Bildhauer Joseph Krautwald aus Rheine.
Rechts und links vom Mittelgang stehen je drei Bänke, auf denen immer vier Personen Platz nehmen können. Ursprünglich standen auf jeder Seite vier Bänke, doch aufgrund des zunehmenden Bedarfes an Rollstuhlplätzen wurden diese Bänke kürzlich entfernt. Der dadurch entstandene Raum steht nun den Rollstuhlfahrern zur Verfügung, durch eine andere Farbgestaltung des Teppichbodens auch für die Bewohner erkennbar.
Über dem Eingang befindet sich die Orgelbühne. Vor dem Umbau in den Jahren 1985/86 konnte man die Empore nur über eine Leiter erreichen, später dann wurd
e eine Treppe installiert. Die Orgel, aus Spendengeldern
Innenansicht der alten Kapelle
zu Pfarrer Holländers Zeiten finanziert, stammt als Bausatz von der Firma Hotbauer aus Göttingen. Organist Helmut Burgmer fertigte die Orgel während der Bauphase in den 80er Jahren in Eigenarbeit im Keller des Hauses an. Über mehrere Leitern wurde die Orgel schließlich mit Hilfe von Seilen durch ein Fenster auf die Bühne gehoben.
Einmal wöchentlich findet in der Kapelle eine Heilige Messe statt, meistens sonntags um 10.30 Uhr. Neben den Bewohnern nehmen aber auch regelmäßig Angehörige oder Gäste des Hauses am Gottesdienst teil. Mittwochs um 10.30 Uhr treffen sich die Bewohner zu einer Andacht in der Kapelle. Man betet zusammen den Rosenkranz, in der Fastenzeit auch den Kreuzweg oder für verstorbene Bewohner.
Auch die Mitarbeiter des Hauses nutzen die hauseigene Kapelle regelmäßig. Als Höhepunkt im Jahr ist hier sicher die adventliche Feier der Mitarbeiter zu nennen, die immer in ganz besonderer Weise gestaltet wird. Man kann abschließend sicher sagen, daß die Kapelle den "Mittelpunkt" des Hauses darstellt, wenn auch nicht räumlich gesehen. Aber das Leitbild der Einrichtung und die Ziele der Betreuung alter und pflegebedürftiger Menschen sind von einer christlichen Grundhaltung geprägt und damit bildet die Kapelle den Ausgangspunkt allen Handelns im Haus. Sie bietet Raum für das Gebet, Raum für Besinnung, Raum für Meditation, Raum für Eucharistie.